Niemand ist hoffnungsloser versklavt als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
Geld als Zahlungsmittel

Akzeptanz, Liquidität und Volatilität

Besprechen wir nacheinander diese drei Begriffe.
Akzeptanz bedeutet, ob Käufer und Verkäufer das Zahlungsmittel als solches anerkennen, ob es im Alltag benutzt wird. Dabei sind beide Seiten wichtig, es braucht Geschäfte bzw. Dienstleister, die das Zahlungsmittel annehmen und es braucht Kunden, welche das Zahlungsmittel benutzen wollen.

Der Staat kann dabei vorgeben, was ein gesetzliches Zahlungsmittel ist, damit kommt ein Annahmezwang. Zudem kann er vorgeben, daß mit diesem die Steuern zu zahlen sind.

Es kann auch Quasi-Zwänge geben. So werden sich heutzutage nur wenige Arbeitgeber auf die Zahlung der Löhne mit Bargeld einlassen und vom Arbeitnehmer eine Kontoverbindung verlangen. Geld auf einem Konto ist jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Trotzdem werden sich die meisten Arbeitnehmer dem nicht verweigern können und meist auch gar nicht wollen.

Auch Bequemlichkeit und Sicherheit sind Antriebe ein Zahlungsmittel zu benutzen. Dabei liegt eine „The winner takes it all“ Situation vor, je etablierter ein Zahlungsmittel ist, umso mehr wird es verwendet, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es überall angenommen wird.

Liquidität beschreibt die Verfügbarkeit des Zahlungsmittels. Hierbei ist aber nicht die Liquidität des Einzelnen gemeint, ober er arm oder reich ist, sondern ob es beim Zahlungsmittel selbst Beschränkungen gibt.

Bei Banknoten, die man in beliebiger Menge drucken kann, ist dies kein Problem, bei Goldmünzen dagegen schon. Nehmen wir an, die Anzahl an Goldmünzen würde konstant bleiben und die Kaufkraft würde auch immer gleich bleiben. Mit anziehender Wirtschaft und damit mehr Marktteilnehmern und Transaktionen, würde die Anzahl der Goldmünzen bald nicht mehr ausreichen, alle Zahlungen durchzuführen.

Sieht man ein Zahlungsmittel nur als Hilfsmittel für den Handel, den Austausch von Gütern und Dienstleistungen, dann darf ein Mangel an Zahlungsmittel den wertschöpfenden Austausch von Gütern und Dienstleistungen nie behindern. Die Knappheit eines Zahlungsmittels ist ein Anreiz für Spekulationen, sie ist damit gegen die Intention, den Handel zu unterstützen, gerichtet.

Das Horten von Zahlungsmittel kann damit zu einem Problem werden. Entweder werden so viele Zahlungsmittel erzeugt, dass dadurch keine negativen Einflüsse entstehen, oder das Horten selbst wird teuer gemacht.

Im heutigen Geldsystem gibt es eine zinsbedingte Erhöhung der Geldmenge als Gegenpol zur Hortung und dadurch wird der Geldwert über die Zeit reduziert. Alternativ wäre aber denkbar, den Nominalwert des Geldes über die Zeit zu reduzieren, aus 10 Taler wird nach einem Jahr 9.5 Taler und dafür kann die Geldmenge konstant bleiben. Die Differenz kann dann über die Notenbank wieder in den Geldkreislauf gebracht werden.

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Merkmalen, ist die Volatilität bei einem Zahlungsmittel nicht erwünscht. Mit Volatilität ist hier sowohl das kurzfristige, aber auch das langfristige Verhalten gemeint. Deswegen habe ich hier nicht den Begriff Stabilität verwendet, da dieser eher nur das langfristige Verhalten beschreibt.

Habe ich eine Dienstleistung bzw. ein Gut verkauft und habe dafür ein Zahlungsmittel bekommen, so bin ich berechtigt, später dafür eine gleichwertige Leistung zu erhalten. Das Zahlungsmittel ist ein Speicher meiner Arbeit. Wenn das Zahlungsmittel aber selbst im Wert schwankt, dann kommt diese Funktion ins Ungleichgewicht.

Schwankt ein Zahlungsmittel zu sehr im Wert, dann verliert es bei den Marktteilnehmern an Vertrauen. Langfristige Verträge sind nicht mehr möglich, da weder Anbieter noch Konsument sicher sein können, ob sie in der Lage sein werden, die Verträge einzuhalten. Auf der anderen Seite werden Spekulanten angezogen, die diesen Trend verstärken, gegenwärtig schön zu sehen beim Bitcoin.

Wenn man das Zahlungsmittel als Speicher für Arbeit versteht, dann sind das Mindestreservesystem der Banken und der Zins kritisch zu sehen, da hier ohne Arbeit quasi Geld geschaffen bzw. Anspruch auf mehr Geld geschaffen wird. Dies soll aber später besprochen werden, wenn es um das Geld als Wertaufbewahrungsmittel geht.