Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.
Tommaso Campanella (1568 - 1639)
Geld als Zahlungsmittel

Der Oberbegriff Geld wird für verschiedene Formen von Zahlungsmittel benutzt, sei es z.B. Bargeld, Giralgeld, Gold oder Bitcoin. Es wird bei der Funktion unterschieden, zwischen dem Zahlungsmittel bzw. Tauschmittel, Wertmaßstab und dem Wertaufbewahrungsmittel.

An dieser Stelle schauen wir nur auf die Zahlungsmittelfunktion. Der Aufbau des Geldsystems und die Rolle als ein Wertaufbewahrungsmittel wird hier ebenso ausgeklammert, wie sein Zweck als Wertmaßstab.

Es geht auch nicht darum, wer das Geld herausgibt, wie die Geldmenge begrenzt wird, ob es ein staatliches, privates oder monetatives Geld ist. Das Geld wird hier abstrakt betrachten und verschiedene Zahlungsmittel (Bargeld, Giralgeld, Bitcoin,…) dienen nur als Beispiele.

Aus sprachlichen Gründen verwende ich trotzdem öfters den Begriff Geld und falls nicht anders definiert, ist hier damit das Zahlungsmittel gemeint.

Auch der Zahler und Zahlungsempfänger wird hier manchmal Käufer und Verkäufer genannt, obwohl streng genommen der Zahlungsverkehr nicht immer mit einem Kauf einhergeht.

Ich versuche, einen Kompromiss zu finden, einerseits sprachlich genau zu sein und auf der anderen Seite mich nicht zu kompliziert auszudrücken.

Zusammenfassung

Folgende Aspekte eines Zahlungsmittels werden betrachtet:

  • Akzeptanz, Liquidität und Volatilität
  • Anonymität
    • des Zahlers
    • des Zahlungsempfängers
    • von Zahlungsmittelbesitz bzw. -Eigentum
  • Zugang zum Zahlungsmittel
  • Diskriminierungsfreiheit von Zahlungen
  • Zahlungslimits
  • Kontrolle von Zahlungsmitteln
  • Transaktionsgeschwindigkeit
  • Stabilität, Fragilität und Antifragilität
  • Resilienz gegen Modifikation
  • Schutz vor Verlust, Raub oder eigener Dummheit

Die Bewertung eines Zahlungsmittels

Um Zahlungsmittel zu untersuchen, braucht es eine Liste von Kriterien, die einen objektiven Vergleich ermöglichen. In diesem Kapitel stelle ich diese Merkmale kurz vor, auf die Details gehe ich in den späteren Kapiteln ein.

Beginnen wir mit „Akzeptanz, Liquidität und Volatilität“. Was bedeutet das? Kurz gesagt, akzeptiert ein Händler mein Geld, werden alle Marktteilnehmer ausreichend mit Zahlungsmittel versorgt und bleibt der Wert des Geldes weitestgehend stabil.

In der Folge beleuchten wir die „Anonymität des Zahlers“. Zahlungen sagen viel über einen Menschen aus, nicht bloß was jemand kauft, sondern ebenso wo und wann. Gibt er tendenziell viel oder wenig aus, für sich alleine oder auch für andere. Spendet oder verschenkt er Geld. All diese Daten ergeben ein Profil.

Im Kapitel „Anonymität des Zahlungsempfängers“ behandeln wir das Für und Wider, den Geldempfang anonym zu halten. Bei einem Unternehmen hat das Finanzamt ein berechtigtes Bedürfnis, die Einkünfte zu kennen. Ein geschäftlicher Konkurrent hat, aus anderen Gründen, aber ebenfalls ein Interesse diese zu kennen.

Nach einem kurzen Ausflug in die Thematik „Eigentum und Besitz“, kommen wir im Folgenden auf den Gesichtspunkt der „Anonymität von Zahlungsmittelbesitz“, was sowohl den Wert, als auch die speziellen Einheiten, des Zahlungsmittels betrifft. Auf das Bargeld bezogen die Höhe des Bargeldbesitzes und die Seriennummern der einzelnen Banknoten.

Im nächsten Themenbereich beschäftige ich mich mit dem „Zugang zum Zahlungsmittel“. Anderen sollte es nicht möglich sein, mir den Zugriff auf mein Tauschmittel zu verwehren. Eine selbstverständliche Forderung, oder vielleicht doch nicht?

Danach bespreche ich die „Diskriminierungsfreiheit von Zahlungen“. Was bedeutet das? Wenn Käufer und Verkäufer den Austausch von Ware bzw. Dienstleistung gegen Geld beschließen, dann soll das Geld nur ein passives Tauschmittel sein. Eine Beeinflussung vor, während oder nach der Zahlung sollte ausgeschlossen sein. Im Zahlungsmittel darf kein Mechanismus verbaut sein, der es erlaubt, Einzelne oder Gruppen vom Zahlungsverkehr auszuschließen.

Unterliegt ein Geld einem „Zahlungslimit“, entweder pro Zahlung oder pro Zeitraum, schränkt dies seine Funktion ein. Diese können technische, fiskalische, politische, aber gleichermaßen auch praktische Gründe haben. Auch die Art der Realisierung des Limits ist hier zu betrachten.

Geld ist für eine Wirtschaft von zentraler Bedeutung und damit ein starkes Machtinstrument. Aus diesem Grund braucht es die Kontrolle durch eine unabhängige Institution, wie beispielsweise einer Zentralbank, alternativ durch ein dezentrales Kollektiv. Gibt es Regeln, welche die Ausgabe neuer Tauschmittel beschränkt, z.B. eine Golddeckung? „Wer kontrolliert das Zahlungsmittel?“ Dies werde ich in diesem Kapitel näher diskutieren.

Die „Transaktionsgeschwindigkeit“ gibt an, wie zügig eine Zahlung getätigt wird. Mit Bargeld ist dies innerhalb von Sekunden machbar, dagegen dauert eine Überweisung mitunter ein paar Tage. Käufer und Verkäufer können sofort sehen, dass die Übergabe des Geldes erfolgreich war.

Eine weitere Frage dreht sich um die „Stabilität, Fragilität und Antifragilität“ eines Zahlungsmittels. Ist es in einer Krise verwendbar und stabil? Braucht es eine existierende Infrastruktur mit Strom und Internet, kann ich seine Echtheit unabhängig prüfen? Es ist dabei zu berücksichtigen, ob das Zahlungsmittel alleinig oder ergänzend benutzt wird. Habe ich ein Backup, z.B. Bargeld, verfügbar, oder muß das Zahlungsmittel alleine in der Krise bestehen können?

Ein Tauschmittel braucht eine „Resilienz gegen Modifikationen“, soll aber in Teilen auch veränderbar sein. Auf der einen Seite werden einige Merkmale, z.B. Anonymität und Diskriminierungsfreiheit, vor Veränderungen geschützt. Auf der anderen Seite kann aber ein unsicheres Verschlüsselungssystem auch ersetzt werden.

Zuletzt behandele ich dann den Schutz des Tauschmittels gegen „Verlust, Raub oder gegen die eigene Dummheit“. Ich werde versuchen, ein paar Szenarien aufzuzeigen, ob und welchen Schutz Zahlungsmittel gegenüber diesen Gefahren bieten.